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Lisboa

Maturareise 2017

Story by WOB.EDUCATION June 11th, 2017

LIssabon - Stadt der großen Entdecker am Atlantik

Schon bei meinem ersten Besuch hat mich der verblasste Glanz dieser Stadt mit ihren wunderbar nostalgischen Straßenbahnen, sanften Hügeln und die unzähligen lilafarben blühenden Palisanderholzbäume (Jacaranda mimosifolia) gefangen genommen.

Abfahrt um 4.00 Uhr morgens. Zwei Autos voll, leider, denn Martina schaffte es nicht mitzukommen. Von Bergamo nach Lissabon in 3 h, fantastisch! Eine Stunde Zeitumstellung. Mit verschlafenen Augen schauen wir durch die Bullaugen auf den Tejo, der sich schräg unter uns vor der portugiesischen Hauptstadt zum größten Naturhafen des Atlantiks breitgemacht hat. Ich registriere den Verkehr auf der doppelstöckigen 3,2 km langen Hängebrücke der „Ponte 25 de Abril“, die auch gleichzeitig mit Eisenbahnverkehr kombiniert ist. Dabei erinnert sie mich mit ihrem Anstrich und den fachwerkartigen Versteifungsträgern an die Golden Gate Bridge und die Franzisco Bay Bridge, klar, es waren dieselben American Bridge Company, die die Brücke gebaut haben. Daneben überquert die zweite, endlose 17 km lange Brücke „Vasco da Gama“ den 1007 km langen Tejo, unglaublich.

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über den Dächern der Stadt

Jetzt sind wir schon über den Dächern der Stadt, die auf vielen Hügeln thronen soll, wie man sagt. Einige davon werden wir erklimmen. Kurze Zeit später sind wir mit der Metro bequem und flott am Fuße eines Hügels angekommen und genießen, in einem der vielen Stadtparks an einem kleinen Seebecken, im Restaurant Linha d’Agua oberhalb des Marquis de Pombal Denkmals, ein passendes Mittagessen.

Gut gelaunt „latschen“ wir mit unseren Köfferchen an Seerosen und am Astoria Creativ Hotel vorbei, zur im Internet gebuchten, Tagus Royal Residence. Unser erster Eindruck: Nicht schlecht, sauber, Klo und Duschen im Gang, zentral gelegen. Ohrenstöpsel habe ich dabei, alles gut! In der Reception steht folgendes in Portugisisch: As viagens sào come as pessoas, nào há duas iguois. Wie wahr!

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"Saùde."

Mit unseren Kameras, kurzen Hosen, Sommerkleidchen und Sandalen, machen wir uns also

gleich auf den Weg. Es ist über 30 Grad heiß im Schatten! Der Zufall will es, daß wir in einer Broschüre, auf das Pátio da Cerveja - Lisbon Beer Festival aufmerksam werden und zwar im hippen Viertel der XL Factory und los geht’s, rein in 3 Taxis und in 10 Minuten sind wir in Alcantara angekommen. Alcantara besteht aus Ruinen. Doch einige der großen Industriebaracken wurden vor dem Verfall gerettet und haben sich 2008 zur LX Factory verwandelt. Künstlerateliers und Architektenbüros, Werbe- und Modelagenturen, Antiquariate, Restaurants, Diskotheken, Klimbim-Läden, der riesengroße Buchladen „Ler Devagar“, Eisdielen, u.a.m. zogen ein bzw. wurden geboren und Sonntag findet hier immer ein sehr origineller Flohmarkt statt. Die Aussicht von der coolen Rooftop-Bar Rio Maravilha aus ist genial, perfekter und freier Blick auf die rote Brücke des 25. Avril und auf das 110 Meter hohe Cristo Rei Denkmal. Als die XL Factory die Tore dichtmacht, sind wir zum Schluß gekommen, daß Portugal ausgezeichnete Braumeister hat! Saùde.

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"...riesengroßen Mondfischen..."

Tags drauf um 8.30 Uhr Frühstück und dann wird ein Tagesticket für den roten Doppeldecker gekauft, als Geschenk obendrein, dürfen wir die roten Busse 2 Tage lang zum gleichen Vorsaison-Preis nutzen. Wir fahren Richtung Tejo und dann zum Expo-Gelände von 1998, wo die Hauptstadt zur Weltstadt wächst. Das Oceanário de Lisboa ist ein absoluter Hingucker mit seinen Riesenmantas, allen möglichen Haien, Barrakudas, skurrilen Seepferchen, riesengroßen Mondfischen, Papageientauchern, Bibern und die Sonder-Ausstellung „Florestas Submersas“ des japanischen Künstlers Takashi Amano ist eine Synfonie der Harmonie. „pare e escute. A natureza é o grande ensinamento viva con simplicidate“. Wunderschön!

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Vorbei an Fensterputzern in schwindelnder Höhe...

...genossen wir den Fahrtwind auf unserem offenen hohen roten Doppeldecker und begaben uns Richtung Miradouro Sophia de Mello Breyner Andersen, DEM Aussichtspunkt im Stadtteil Graca. Immer wieder kommen wir an Ruinen vorbei, die jedoch jeweils von Künstlern verändert und auch teilweise besiedelt worden sind. An uns vorbei düsen Tuk-Tuk’s chinesischer oder italienischer Produktion, mit Elektroantrieb oder auch herkömmlich. Auch die berühmte gelbe alte Straßenbahn Nr. 28 dreht dauernd ihre Runde. Und wir treffen eine Boznerin, Anna. Sie arbeitet in einer Gallerie gleich um die Ecke. Der Blick auf das Castelo Real Sào Jorge bzw. die Geburtswiege der Stadt ist genial. Über der roten Stahlbrücke registrieren wir alle 2 Minuten einen Anflug. Alex hat das genau im Blick. Na ja, wir prosten uns mit einem Super-Bock zu. Wir machen uns auf zum Abstieg und landen

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über den Dächern von Lissabon auf dem Elevador Santa Justa.

Gebaut wurde der Aufzug von Raul M. du Ponsard, einem Schüler Gustave Eiffel’s und der Elevador, der Personenaufzug, der dem Eiffelturm nachempfunden ist - der ab 1902 die Stadtbewohner in den höher gelegenen Stadtteil Chiado befördert, ist noch genau so beliebt wie eh und je. Nur, dass jetzt Menschentrauben in Fünferreihen geduldig anstehen, um sich mit der einmaligen Stahlkonstruktion - die anfangs mit einer Dampfmaschine angetrieben wurde – befördern zu lassen. Hier anzustehen sparen wir uns, wir gelangen über einen Schleichweg über die Terrasse eines Restaurants direkt hin und genießen den Blick über die Dächer und stellen uns den riesigen Palast „Paço da Ribeira“ der am Ufer des Tejo stand, vor. Er wurde durch ein gigantisches Erdbeben, einen unglaublichen Tsunami und ein anschließendes Feuer 1755 sowie das meiste der Stadt, alles dem Erdboden gleichgemacht. Heute erinnert eine Reiterstatue auf der Mitte des Platzes an König José I. von Portugal, der stolz auf den mächtigen Tejo blickt.

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Das bunte Treiben hier...

...in Rossio ist interessant zu beobachten und wir machen kurz beim alterwürdigen Cafe Nicola, dem anscheinend ältesten Kaffeehaus Lisabons halt um für 1,40 € 2 „Italiani“ zu trinken, was so viel wie sehr kurze Cafè’s bedeutet und dazu noch zwei Pastel de Nata, mit Pudding gefüllte Blätterteigtörtchen. An Stelle eines Löffelchens zum umrühren bekommen wir eine kurze Zimtstange zum umrühren. Wir sind begeistert, die Lisabonner Kaffee’s können es mit unseren Kaffee’s zu Hause aufnehmen. Voll gut!

Beim Weitergehen können wir noch eine Kuriosität entdecken, ein Geschäft mit Jahrgangs-Sardinen-Dosen, das Sardinha Portuguesa. Kaum zu glauben!

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Weltkulturerbe

Tags darauf springen wir wieder auf einen der Hop-On & Hop-Off Busse auf und fahren Richtung Museu Calouste Gulbenkian und seiner Colecào Moderna, leider ist am Dienstag, also heute, Ruhetag. Egal einen guten Kaffee bekommen wir im dazugehörenden kleinen Kaffee im Park. Bèlem wartet auf uns, unter der „roten Brücke“ durch und hinaus zur Mündung des Tejo in den Atlantik, dort wo die Torre de Belèm sind. Ehemals war die Festung in der Mitte des Stromes, um Seefahrer willkommen zu heissen oder mit Kanonenfeuer zu vertreiben. Wir schauten uns noch die ehrwürdige Kirche Santa Maria im Weltkulturerbe des Hieronymitenklosters an, ein Meisterwerk in dem Orient und Okzident, alte und neue Welt verschmelzen und waren auch sehr beeindruckt. König Manuel hat das Kloster als Symbol und zum Segen seiner neuen Weltmacht 1501 erbauen lassen.

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Auffällig sind...

... die zwitschernden Kanarienvögel und Wellensittiche vor den Fenstern in manch einer der engen Gassen unter dem Königsschloß. Nach einer langen Besichtigung des beeindruckenden Castelo Sào Jorge genossen wir auf unserem Miradouro ein verdientes kühles Blondes unter den schattigen Kiefern und zählten die vorüberfliegenden Flugzeuge. Einen Steinwurf weiter genossen wir dann im Zirkus-Cultur-Restaurant „Chapito“ ein wunderbares Abendessen und einen wunderbaren Blick auf die Altstadt Richtung Tejo.

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Tags darauf ging’s nach Sintra,...

...zumindest für die halbe Truppe. Portugals Herrscher haben dort schon seit jeher ihre Sommerpaläste gebaut und ließen dabei ihrer Fantasie freien Lauf. Etwa eines der schönsten Herrenhäuser Portugals, das „Quinta da Regaleira“, konnten wir ausgiebig genießen. Es gäbe noch einiges mehr, jedoch war der Trubel dermaßen unglaublich und einen guten Überblick hatten wir uns verschafft und der Kaffee und die Kuchen im „Café Saudade“ waren ausgezeichnet. Nach einem guten belegten Brot und ausgezeichnetem Pop-Corn erwischten wir grad perfekt den Linienbus 403 nach Cascais bzw. zur Praia da Ursa, ein wunderschöner einsamer Strand am westlichsten Punkt Europas. Das Wasser des Atlantik’s war wunderbar erfrischend und die Wellen kräftig, die Fischgerichte im Cascais’er „Restaurant Mariscaria“ schmeckten ausgezeichnet.

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„Gulbenkian“

Tags darauf hatten die Museen des in Istanbul geborenen Armeniers „Gulbenkian“ geöffnet. Durch das Museum für zeitgenössische Kunst, vorbei an der griechischen, römischen, persischen, ägyptischen und chinesischen Antike, weiter zu den Meisterwerken von Rembrandt, Monet, Rodin, Manet, Renoir, Degas, Turner, ist der Rundgang unwahrscheinlich beeindruckend und lehrreich. Das anschließende späte Mittagessen im kleinen hauseigenen Restaurant auf der Terrasse war wichtig und genüsslich um für unsere weitere Besichtigungstour gestärkt zu sein.

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Mit der Metro...

...landeten wir schließlich im Stadtteil Bairro Alto, der Botanische Garten wird allerdings gerade umgebaut, so daß wir vorbei an der sehr beeindruckenden und liegenden Mexikanischen Zypresse, mit einem Baumkronendurchmesser von 23 Metern, zum Kult-„Cafè A Brasileira“s gelangten und deren ausgezeichneten „Italiano“ verkosten konnten. Bereits Fernando Pessoa schätzte das Künstlerkaffeehaus und so konnten wir entspannt den Laden „A Vida Portuguesa“ aufsuchen um dort einheimische Produkte wie Stoffwaren, Farben, Schmuck, Keramik, ecc. zu kaufen.

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Abschiedstrunk

Kurz unter die Dusche um dann unter unseren Zimmern bei einer Geschäftseinweihung frische Erdbeeren und Cava zu trinken und die neuesten Kollektionen von Nachwuchs-Modedesignern zu begutachten. Anschließend fuhren wir endlich in der 28’er Straßenbahn zu unserem bevorzugten Miradouro de Gràca um den Sonnenuntergang zu genießen. Der Zwischenstopp im Restaurant „India Gate“ war es wert und gestärkt zogen wir weiter durch die Fußgängerzone Amalfa zum „Cafè Nicola“ und dann zum „Hard Rock Cafe Lisboa“ um dort bei Livemusik einen Abschiedstrunk zu genießen.

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Und nachdem wir Lissabon so genossen haben..

...und so viel gesehen haben, hatten wir vergessen einen Abmarschzeitpunkt zu besprechen und so waren wir gezwungen über Köln zu fliegen, dort ein Kölsch zu verkosten um dann um einige Stunden später in Mailand Malpensa zu landen, die Shuttlebusverbindung nach Bergamo brachte uns dann jedoch bequem nach Bergamo Orio und um 1 Uhr Nacht pünktlich zum Ende des „Brasserie-Apero-Lungo“ waren wir vor der Schule!

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Lissabon...

...mit seinem tollen Klima, seinen schattigen Plätzen mit fantastischer Aussicht auf ein Zentrum, das einst das letzte große Kolonialreich der Welt beherrschte. Wie ich irgendwann dann mein mitgebrachtes Sandwich genüsslich verspeise muss ich daran denken, wie wohl dieses Land mit all den Menschenmassen zurechtgekommen ist, die Anfang der 1970er Jahre aus den damaligen Kolonien ins Land geströmt sind und untergebracht werden mussten.

Kompliment an meine sehr interessierte und zuverlässige 13. WOB-Abschlußklasse, es war eine grandiose Reise.

Dankeschön!

Markus Feichter

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Footnote: Fotos und Text Markus Feichter
Lisboa, Portugal